Die deutsche Antwort auf Negativzinsen: Bankschließfächer

Für unsere deutschen Leser stellen wir unseren ersten Artikel auf deutsch vor. Übersetzt und ergänzt von einem früheren veröffentlichten Artikel.

Die japanische Antwort auf Negativzinsen: Anschaffung von häuslichen Geldschränken. Andererseits die deutsche Haltung: Abhebung von Bankkonten und Verstauung in Bankschließfächern. Beide Methoden sind als Reaktion gegen eine Zinzahlung für Bankkonten verständlich. Der deutsche Fall ist besonders merkwürdig, weil die Bundesbank vor ein paar Jahren erklärte, die durchschnittliche Effektivrendite sei seit 40 Jahren negativ gelaufen. Das führt zur Frage, warum sind diese Kontoabhebungen nicht früher passiert? Nur jetzt, da nominale Zinsraten auch negativ sind, ist die Fassade von Bankkonten als sicherer Geldversteck endlich für Otto Normalbürger weggerissen.

Die höchste Gefahr von Negativzinsen besteht durch die Funktion des Mindestreserve-Bankwesen-Systems. Sollen genügend Kontoinhaber ihr Geld aus ihren Konten ziehen, könnte ein Bankzusammenbruch erfolgen. Eine Bank mit einer Mindestreserve von zehn Prozent wird zahlungsunfähig, wenn die Kontoinhaber zehn Prozent ihrer Einlagen entnehmen. Weitere Kontoabhebungen, Überweisungen, Bezahlungen, usw. werden unmöglich und die Bank würde gezwungen ihren Betrieb einzustellen. Auch Entnehmungen von weniger als zehn Prozent der Einlagen können Probleme mit zwischenbanklichen Geschäften auslösen. In Notfällen könnte die Bank sich Geld vom Diskontfenster (Zentralbank) besorgen. Doch nach mehrmaligen Ansprüchen besteht die Bankschließunggefahr durch die Bankbehörden. Bankrotterklärung einer großen Bank, sowie auch finanzielle Schwierigkeiten in mehreren Banken könnte eine Panik auslösen, die zum Ansturm an die Banken führen könnte. Die Zypern-Bankkrise vor einigen Jahren ist ein gutes Beispiel davon.

Das ist das Risiko, das mit Negativzinsen entsteht, Zentralbanken aber nicht anerkennen wollen. Man möchte dennoch hoffen, dass sich im Gewissen des einen oder anderen Entscheidungsträgers dieses Szenario abspielt. Leider kommt das Thema eines vollständigen Zusammenbruches des Finanzsystems und mögliche Gegenmaßnahmen selten auf die Bühne. Der Mangel an Diskussion eines solchen Szenarios zeichnet wohl, dass die Zentralbanker das Motto “Aus dem Mund, aus dem Sinn” befolgen. Wir betreten heutzutage völliges Neuland mit Zentralbanken, die trotz ihrer mannigfaltigen Verfehlungen immer noch auf volles Vertrauen in ihre Komptenz bestehen. Wie der Nobelpreisträger Friedrich von Hayek 1974 erklärte, existiert eine “Anmaßung von Wissen.” Ein Scheitern des Finanzsystems ist uns näher heute als je zuvor, und dies nicht inkonsequent wegen der Negativezinsen. Es muss bloß eine entscheidende Leitzinssenkung, eine kleinere weitere Bewegung Richtung Negativ durchgeführt werden, um eine Bankpanik zu verursachen. Wo genau diese untere Grenze besteht weiß keiner. Wehe dem aber, der diese Grenze überquert! Zentralbanken die Negativzinsen als währungspolitisches Instrument benutzen spielen mit dem Feuer. Der Bevölkerung bedeutet das also: Achtung! Verbrennungsgefahr!

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